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Als dritte Gemeinde im Landkreis Fulda leistet sich Flieden eine Richtlinie im Umgang mit Mobilfunk-Anlagen.


Flieden.

Als großen Erfolg kann sich der Verein mowo e.V. die Verabschiedung der Mobilfunk-Leitlinie in Flieden auf die Fahne schreiben. Das Vereinsmitglied und bis vor kurzem Gemeinderatsmitglied Peter Klug (BfF) formulierte zusammen mit dem Vereinsvorstand die Leitlinie und reichte den Antrag am 28.10.2008 zur Abstimmung ein.

Damals beschloss die Gemeindevertretung, die Mobilfunk-Leitlinie zur Beurteilung hinsichtlich der Integration in den Flächennutzungsplan beim Regierungspräsidium vorzulegen. Der RP gab grünes Licht, allerdings mit dem Hinweis der fehlenden Rechtsbindung. Demnach ist die Genehmigungsfähigkeit des Flächennutzungsplans von der Aufnahme einer solchen Mobilfunkleitlinie in den Anhang nicht berührt. Zwar kommt die Leitlinie rechtlich nicht über einen Appell, eine Empfehlung hinaus, aber darüber sind sich alle Beteiligten im Klaren. Der öffentliche Druck und die Wirkung auf die Bürger sollte hierbei aber nicht unterschätzt werden.

Anlaufstelle Bauamt

Jetzt komme es darauf an, den Bürgern eine kompetente Anlaufstelle zu bieten, wenn Mobilfunkanbieter mit Miet- und Kaufverträgen locken, so Markus Hofmann vom Verein mowo e.V. in Flieden. Diese Anlaufstelle wird laut Bürgermeister Winfried Kreß das Bauamt sein. Mit fünf Enthaltungen von CDU-Gemeinderäten und einer Enthaltung des Peter Klug-BfF-Nachfolgers war die Abstimmung bei der Gemeinderatssitzung am 2.April zwar eindeutig aber eben nicht einstimmig wie zum Beispiel in Poppenhausen.

Gefährliches Halbwissen

Der Grund hierfür könnte die Erklärung des CDU-Gemeinderatsmitglieds Chistoph Henkel sein, der, obwohl es schon über zwei Jahre Diskussion und Information des Vereins und der Gemeinde Flieden gab, ein Wissensdefizit aufwies und das mit der unsicheren Wissenslage erklärte. Mobil-funksendeanlagen gäbe es immerhin schon einige Jahre in Flieden ohne dass sich jemand beschwert hätte. Er hielt das Absenken der Grenzwerte entgegen einer Erklärung des europäischen Parlaments für nicht nötig und war der Ansicht, dass Mobilfunkmasten in der Nähe von Wohngebieten die Strahlenintensität eher verringere als weiter entfernt stehende Anlagen.

Zur Untermauerung seiner These nannte er als Beispiel, dass wenn man mit einem Gartenschlauch weiter spritzen wolle, den Wasserhahn mehr aufdrehen, den Druck erhöhen müsse.

Problematisch sei für viele vielleicht auch nur der Anblick eines Mobilfunkmastes. Der Hinweis, dass in Ballungszentren in wesentlich kürzeren Abständen Sendeanlagen stünden und sich dort auch keiner beschweren würde, war dann der Gipfel. Sogar Rangar Yogesh-war hätte in seiner WDR-Sendung “Quarks &Co.” am 19.06.2007 laut Henkel festgestellt, dass Mobilfunkstrahlung nicht schädlich sei.

Diese Ausführungen lassen jahrzehntelange unabhängige Forschung außer acht und wiederholen unreflektiert die Aussagen der Mobilfunklobby.

Wir klären Sie auf, Herr Henkel

Grundsätzlich ist eine deutlich Absenkung der Grenzwerte möglich, verschiedene Staaten machen es uns vor. Das EU-Parlament hat vergangenen Herbst festgestellt, dass die Grenzwerte viel zu hoch sind und europaweit gesenkt werden müssen. Voraussetzung für eine Absenkung ist aber eine gründlichere Netzplanung der Mobilfunkanbieter. Auf das Argument von Herrn Henkel, dass nähere Antennen weniger strahlen, lassen wir Herrn Siegfried Zwerenz von der Bürgerwelle e.V. antworten, der die Fragestellung schon 2004 wie folgt beantwortete:”Viele kleine Sender mit minimaler Leistung sind auch keine Lösung, weil damit viel mehr Antennen aufgebaut werden und diese somit näher an die Menschen kommen. Die Belastung nimmt nämlich mit der Nähe zur Antenne im Quadrat zu. Deshalb hätten dann insgesamt gesehen die Menschen höhere Belastungen. Die Strahlenbelastung durch hohe Sender ist nicht ungleich höher, sondern viel niedriger, weil die Antennen weit von der Bevölkerung weg sind, selbst wenn die Leistung des Senders erhöht würde”. Die Tatsache, dass in Ballungszentren viel mehr Antennen auf engerem Raum stehen als auf dem Land, hat übrigens mit der Anzahl der gleichzeitigen Mobilfunk-Nutzer zu tun. Je mehr Menschen zur gleichen Zeit telefonieren wollen oder ins Web wollen um so dichter muss das Netz der Antennen sein. Und das gilt für alle Anbieter. Diese Information bekommt man von der IZMF e.V., dem Werbe-Verein der Mobilfunk-Lobby

Quarks: wertvoll wie ein Yps-Heft

Sicherlich sind die WDR-Sendungen des gelernten Physikers Rangar Yogeshwar unterhaltsam, wenngleich lehrreich wie ein Yps-Heft: großes Tamtam und wenn man hinterfragt, keine eindeutige Aussage. Beispiel: Die Quarks-Sendung vom 19.6.2007 zum Thema “Gefahren Mobilfunk”. Fazit: Man könne beruhigt weiter telefonieren, die Grenzwerte sind sicher, die erhöhte Zahl von Krebsfällen im Umfeld von Mobilfunkmasten nichts als Zufall. In der gleichen Sendung aber auch diese Aussage: “Weil die Mobilfunkunternehmen viele Studien finanzieren, haben Schweizerische Wissenschaftler untersucht, in welchem Zusammenhang Geldgeber und Studienergebnis stehen. Und tatsächlich linden sich in den von der Industrie finanzierten Gesundheitsstudien seltener Hinweise auf Beeinträchtigungen als bei den öffentlich finanzierten Untersuchungen”.

Nicht zum erstenmal wurde dieses Thema behandelt. Noch 2002 waren die Aussagen in der Sendung von Herrn Yogeshwar deutlich kritischer: “Besonders empfindlich: Der Kopf, auch wenn der SAR-Grenzwert vor Wärmeschäden schützt. Das Handy sollte, wann immer möglich, ausgeschaltet sein; dann gibt es gar kein Feld. Ist das Handy eingeschaltet, sollte es möglichst nicht direkt am Körper aufbewahrt werden, damit man sich nicht den elektromagnetischen Wellen aussetzt. …Bei allen Telefonaten, insbesondere aber bei schlechtem Empfang, gilt: je kürzer und seltener die Telefonate sind, desto geringer die Belastung”.

Welche Belastung? Gibt es also doch Gefahren? Der Grund für die nicht eindeutigen Aussagen in der Sendung vom 19.6.2007 von Rangar Yogeshwar könnte in seinem Sponsor begründet sein: Die Deutsche Telekom-Stiftung. Herr Henkel, hätten Sie’s gewusst? Wenn Sie Fragen haben: mowo.

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